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ZEBRA Poetry Film Festival Münster|Berlin

zebra-logoDas ZEBRA Poetry Film Festival Münster | Berlin findet vom 27. bis 30. Oktober 2016 erstmals in Münster statt. Schauplatz und Festivalzentrum ist das Programmkino Schloßtheater. Das ZEBRA Poetry Film Festival wurde 2002 vom Haus für Poesie in Berlin aus der Taufe gehoben. Es war die erste und ist die größte internationale Plattform für Kurzfilme, die auf Gedichten basieren – den Poesiefilmen.

Mit einem internationalen, einem deutschsprachigen und einem NRW-Wettbewerb um die besten Poesiefilme, thematischen Filmprogrammen, einer Retrospektive zur TV-Poesie von Klaus-Peter Dencker, Lesungen, einem Kolloquium, dem Kinderprogramm ZEBRINO sowie dem Länderschwerpunkt Flandern und Niederlande zeigt es die Vielfalt des Genres Poesiefilm.

Mehr als 1.100 Einsendungen aus 86 Ländern wurden für das ZEBRA Poetry Film Festival Münster | Berlin eingesandt. Eine Programmkommission nominierte 80 davon für den internationalen und den deutschsprachigen Wettbewerb. Vier Preise werden von der dreiköpfigen, internationalen Jury dieses Jahr vergeben: der „ZEBRA-Preis für den besten Poesiefilm“, der „Goethe Filmpreis“, der „Ritter Sport Filmpreis“, sowie der „Preis für den besten Film für Toleranz“. Die Preise haben einen Gesamtwert von €12.000. Im erstmals stattfindenden NRW Wettbewerb sind weitere 18 Filme vertreten, die entweder hier gedreht wurden oder von Filmemachern aus Nordrhein-Westfalen stammen.

Fokus Flandern und die Niederlande

Der Schwerpunkt des diesjährigen ZEBRA Poetry Film Festival Münster | Berlin liegt auf den Niederlanden und Flandern. Damit gehört das Festival zum offiziellen Rahmenprogramm der Frankfurter Buchmesse, auf der Flandern und die Niederlande Ehrengast sind. Mit ausgewählten Poesiefilmen aus den diesjährigen Einsendungen, preisgekrönten Klassikern und den Ergebnissen der Masterclass „Poetry across the borders“ präsentiert ZEBRA die Vielfalt dieses Sprachraums zwischen Dünen und Poldern. Der Schwerpunkt wird mit poetischen Lesungen und Filmgesprächen ergänzt.

Das diesjährige Festival lud zudem dazu ein, das Gedicht „Orakel van een gevonden schoen“ des niederländischen Lyrikers Mustafa Stitou zu verfilmen. Die Regisseurinnen und Regisseure der besten Verfilmungen sind nach Münster eingeladen, um ihre Filme vorzustellen und zu diskutieren.

In einer Retrospektive ehrt das Festival den visuellen Poeten und Literaturwissenschaftler Klaus Peter Dencker, der als der Erfinder der TV-Poesie gilt. Die Erfindung der Form der Sequenzen hat entscheidend seine Arbeit der Visuellen Poesie geprägt. Während seiner Arbeit als Fernsehschaffender erstellte er rund 100 Dokumentar- und Experimentalfilme für ARD und ZDF, darunter auch so wichtige Experimentalfilme wie „starfighter“, „rausch“ und „Austronaut“, die 1970/71 beim SWF/Baden-Baden entstanden. Auf dem Festival spricht Dencker über sein Schaffen.

ZEBRINO Kinder- und Jugendprogramm

Das ZEBRA Poetry Film Festival Münster | Berlin nimmt Kinder und Jugendliche auf poetische Streifzüge mit. Was ist ein Poesiefilm? Wie kommt man auf die Idee, einen Gedichtfilm zu drehen? Was ist überhaupt ein Gedicht? ZEBRINO zeigt Gedichte als Filme in allen Farben und Stilen für Kinder von 10–14 Jahren und bringt ihnen so das Genre Poesiefilm nahe. ZEBRA präsentiert preisgekrönte Filme aus aller Welt: Die jungen Besucher treffen unter anderem auf eine Hasen-Schildkröte, einen coolen Kragenbären sowie Menschen mit lustigen Mäusen und reisen mit zwei Brüdern in ihre Vergangenheit. Anschließend wählen die Kinder ihren Lieblingsfilm. Der Film mit den meisten Stimmen wird der Sieger des ZEBRINO Wettbewerbs 2016, dotiert mit 500 Euro.

Das Festival wird ausgerichtet von der Filmwerkstatt Münster in Kooperation mit dem Haus für Poesie, vormals Literaturwerkstatt Berlin. Ermöglicht wird es durch die Förderung der Kunststiftung NRW, der LWL Kulturstiftung, des Landes NRW und der Stadt Münster, der Stiftung der Sparkasse Münsterland Ost, des Kulturrucksacks NRW sowie des Niederländischen Generalkonsulats und der Flämischen Repräsentanz. Die Wettbewerbspreise werden 2016 vom Haus für Poesie, dem Goethe-Institut, dem Auswärtigen Amt, der Alfred Ritter GmbH & Co. KG und der Deutschen Lufthansa AG gestiftet. Das Festival wird darüber hinaus von den Münsterschen Filmtheater-Betrieben, GUCC grafik & film und dem Factory Hotel unterstützt.

ZEBRA Poetry Film Festival Münster|Berlin

1. Oktober 2016   Kommentare deaktiviert für ZEBRA Poetry Film Festival Münster|Berlin

4. Lange Nacht der Filmfestivals

Festiwelt präsentiert am 20. August 2016 die 4. Lange Nacht der Filmfestivals

Jetzt wird es langsam zur Tradition: Nach den Riesenerfolgen in den letzten Jahren mit über tausend Besuchern findet zum vierten Mal die Lange Nacht der Filmfestivals statt. Am 20. August 2016 präsentiert das Netzwerk der Berliner Filmfestivals – Festiwelt e. V. – ab 15 Uhr das große Spektrum 19 Berliner Festivals im Zukunft am Ostkreuz. Rund 100 Filme, Konzerte sowie weitere Events geben Einblicke in die bunte Landschaft der Festivals. Einen Tag und eine Nacht wird Filmliebhabern, Profis und Experten eine wichtige Plattform und einen leichteren Weg zueinander geboten. Parallel an vier verschiedenen Orten werden im Kino Zukunft viele Kurz- und Langfilme aus der ganzen Welt gezeigt – Special Screenings, Festival-Highlights und mehr.

Das Filmprogramm:

Parallel in den vier Kinolocations des Zukunft am Ostkreuz laufen ab 15 Uhr bis zum Sonnenaufgang Kurz- und Langfilme sowie Kinder- und Dokumentarfilme. 20 Berliner Filmfestivals machen gemeinsam Programm, machen einen Tag und eine Nacht ein Festival: das Fußballfilmfestival 11mm, achtung berlin – new berlin film award, Afrikamera, Alfilm Arabisches Filmfestival, Cinebrasil, COFFI – Italian Film and art festival, ContraVision, Down Under Berlin, die Französische Filmwoche, interfilm Internationales Kurzfilmfestival Berlin, kiezkieken Berliner Kurzfilmfestival, KUKI Internationales Kinder und Jugendkurzfilmfestival, das One World Berlin Human Rights Film Festival, die Russische Filmwoche, das Shebeen Flick Irish Film Festival, das Spanisches Filmfest, das Webfest Berlin, das Weihnachtsfilmfestival, das XPOSED International Queer Film Festival und das ZEBRA Poetry Film Festival.

Das 11mm Fußballfilmfestival zeigt TWELFTH MAN (England 2014) von Duane Hopkins. Tausende Fans aus Newcastle und Sunderland stehen sich in den Stunden vor einem Spiel rund um das Stadion gegenüber. Twelfth Man ist eine bildstarke Studie dessen, was sich zwischen ihnen abspielt.

achtung berlin – new berlin film award präsentiert nicht nur den diesjährigen Gewinner in der Kategorie Bester Mittellanger Film KOSMONAUTENSEHNSUCHT (Deutschland 2015) von Catharina Göldneri, sondern auch eine Auswahl an weiteren Kurz- und mittellangen Filmen. Als Theaterinspizientin ist Miriam es gewohnt, dass alle auf ihre Anweisungen hören. Während der Sommerferien sitzt sie zu Hause. Sie wartet auf die Rückkehr der Kosmonautin, in die sie verliebt ist. Gemeinsam mit ihr möchte sie den Sommer verbringen. Ein Astrologe versichert ihr jedoch, dass die Kosmonautin nicht die Richtige ist und sie lieber nach Menschen suchen sollte, die am 19. Januar 1985 geboren sind.

SUGARCANE SHADOWS (Mauritius 2014) von David Constantin ist der diesjährige Beitrag von AFRIKAMERA. Durch ihre Arbeit auf den nahegelegenen Zuckerrohr-Plantagen führten Marco, Bissoon und Rosario bisher ein angenehmes Leben. Doch das Blatt wendet sich, nachdem sie die letzte Ernte eingefahren haben. In Zeiten der Globalisierung müssen die Felder luxuriösen Gebäuden weichen und die drei Männer stehen plötzlich ohne Arbeit da. Sie leben in den Tag hinein, ohne zu wissen, wie es weitergehen soll. Da taucht eine mysteriöse Frau in der Nachbarschaft auf und wird zum Gesprächsthema Nummer eins im Ort.

Das Alfilm – Arabisches Filmfestival Berlin präsentiert den Dokumentarfilm THE PURPLE FIELD (Palästina 2015) von Nasri Hajjaj, in dem Tamer, ein junger Palästinenser aus Syrien, über drei Monate und zahlreiche Länder, wie die Türkei, Griechenland, Mazedonien, Serbien und Ungarn flieht, bis er in einem kleinen Dorf in Österreich ankommt, wo er sich ein neues Leben aufbaut. Der Film zeigt seinen Alltag, seine Träume in außergewöhnlich einfühlsamen Bildern.

Das Festival Cinebrasil gibt mit Mão Na Luva / Herz und Seele (Brasilien 2013) von Roberto Bomtempo und José Joffily in das Leben von Lúcio und Sílvia, die sich nach 13 Jahren trennen wollen. Die letzte Nacht unter dem gemeinsamen Dach ist gezeichnet von Anschuldigungen, Enthüllungen und Erinnerungen eines Paares, das so verliebt war wie ein „Herz und eine Seele“. In einer Nacht bündelt sich das Dilemma der großen Liebe: sie können nicht zusammen leben und auch nicht getrennt voneinander sein. Der Dokumentarfilm Cativas Presas Pelo Coração / Gefangene Herzen (Brasilien 2013) von Joana Nin, in dem Andrea von einer Hochzeit in weiß träumt, Kamila Angst vor dem ersten Mal hat, Eliane sich wünscht, dass ihr 14 Jahre jüngerer Freund endlich erwachsen wird. Alle drei verbindet eines: ihr Partner sitzt im Gefängnis. Joana Nins einfühlsamer Dokumentarfilm erzählt die Geschichten von sieben Frauen, deren Liebe Gefängnismauern überwindet.

Coffi – Italian Film and Art Festival zeigt eine Auswahl an turbulenten Kurzfilmen, und Down Under Berlin – Australian & New Zealand Film Festival präsentiert fünf Highlights aus den letzten drei Jahren.

Mit der Komödie QUAI D´ORSAY (Frankreich 2013) von Bertrand Tavernier führt die Französische Filmwoche und Institut Français in eine völlig andere, bislang für das Werk des Filmveteranen eher untypische Richtung und überrascht damit gewaltig. Frei nach der gleichnamigen Comic-Vorlage von Christophe Blain und Abdel Lanzac inszenierte Bertrand Tavernier eine im Zentrum der politischen Macht Frankreichs angesiedelte Polit-Satire: Thierry Lhermitte glänzt als Außenminister, dessen Figur an Dominique de Villepin angelehnt ist …

Mit einer Auswahl aus den letztjährigen Festivalhighlights und -gewinnern stellt sich interfilm Internationalen Kurzfilmfestival Berlin vor. Eine Mischung aus Animation und Live-Action, mal traurig oder lustig, aber immer eine warme Einladung in die Welten dieser Kurzfilme einzutauchen.

Das Berliner Kurzfilmfestival kiezkieken zeigt in seiner Filmauswahl die Gewinner des letztjährigen Festivals. Vielseitig und vielschichtig geben die sechs Kurzfilme einen individuellen Blick auf FRIEDRICHSHAIN und KREUZBERG und schaffen es so, die verschiedenen Facetten der beiden Ortsteile den ZuschauerInnen näher zu bringen. Dabei reichen die Themen vom persönlichen Blick auf die Veränderung des Kiezes, zu Geschichten über die Menschen, die in ihm leben, ihre persönlichen Krisen, Liebesgeschichten, Superhelden, Obdachlosigkeit und vieles mehr.

Das KUKI Internationales Kinder und Jugendkurzfilmfestival Berlin beweist mit elf Filmen in einem Programm ab sieben Jahren, dass mit ein bisschen Fantasie im Kino vieles möglich ist. Hier werden Kaffeemaschinen, Eier und Straßenschilder lebendig. Einem Mädchen wächst sogar eine Krake aus dem Kopf und ein Drache steckt immer wieder beim Niesen sein Haus in Brand. Außerdem erleben wir den Alltag eines Jungen in Indien und reisen mit Laurel und Hardy zurück in das Jahr 1928. Die Liebe zum Kino schweißt eine Gruppe Jungen fest zusammen, wohingegen die Freundschaft einer Raupe und einer Kaulquappe auf die Probe gestellt wird. Die Filme bringen zum Lachen und Staunen, erzählen aber auch von kleinen und großen Herausforderungen wie z.B. dem Umgang mit Krankheit. Vor allem stecken die Filme an, selbst kreativ zu werden, so wie die Kinder, die den Workshopfilm KÄNGURU-TAXI zum Programm beigesteuert haben.

Der Starregisseur Vadim Raevskij hat auf den ersten Blick so ziemlich alles, wovon andere träumen: er ist allseits beliebt, vor allem bei Frauen, hat Erfolg, Geld und seit neuestem eine Oscar©-Nominierung in der Tasche. Was im ersten Moment noch perfekt scheint, ändert sich jedoch schneller als erwartet und Vadim wird auf tragische Weise aus seinem glänzenden Leben gerissen. Der Verlust eines geliebten Menschen lässt ihn plötzlich zum Hauptdarsteller seines eigenen Dramas werden, nur hat er diesmal nicht mehr die Kontrolle und kann den Lauf der Dinge nicht ändern… Mit DIE GRÜNE KUTSCHE (Russische Föderation 2015) zeichnet der Regisseur Oleg Asadulin ein einnehmendes, psychologisches Drama, das vielschichtige Emotionen, die Suche nach dem Selbst und nicht zuletzt nach dem Sinn des Lebens nach Schicksalsschlägen aufgreift. Es erzählt einfühlsam vom Hören und Gehört werden, von Entfremdung, von (Miss)Kommunikation und deren Folgen. Die Starbesetzung sowie die beeindruckende Moskauer Kulisse sind nur das Sahnehäubchen des dynamischen und bis zuletzt spannenden Films. DIE GRÜNE KUTSCHE wird von der Russische Filmwoche präsentiert.

Mit dem poetischen Dokumentarfilm BARGAINTOWN (Deutschland 1988) von David Jazay und Judith Klinger bietet das Shebeen Flick Irish Film Festival Berlin einen einzigartigen Blick auf das Dublin vor dem Boom. Als Vorfilm läuft More Than God von Kev Cahill.

Elf Filme mit Tieren in außergewöhnlichen Lebenslagen: sie singen, sind auf Gottestrip, ziehen um in die Stadt, sind beim Kaffee-Klatsch, am Teich oder allein daheim. Einige Arten sind vom Aussterben bedroht, andere im Laden erhältlich. Sie sind voller Sehnsucht nach Wildheit und Natur.  – Akteure des Programm sind Affe, Fisch, Fuchs, Hirsch, Hund, Kaulquappe, Kuh, Maulwurf, Ratte, Raupe, Storch und Vogel sowie Zootiere und alle, die auf der Arche Platz finden. „Tiere in Aktion“ wird präsentiert von Shorts Attack (interfilm Berlin)

Natalia und Carlos sind ein Liebespaar am Anfang des Erwachsenseins und bestreiten in der aktuellen Krise Spaniens ihr Leben nur mühselig. Das Geld sitzt knapp, wodurch sie mit ihren Plänen nicht so weiterkommen wie sie gerne wünschen. Dabei haben sie nicht einmal große Ambitionen, denn sie hegen keine großen Hoffnungen. Um sich etwas dazu zu verdienen, drehen sie einen Amateur-Pornofilm. Doch mit der Geburt ihrer Tochter Julia wird sich vieles verändern. Das Drama Hermosa Juventud / Schöne Jugend (Frankreich/Spanien 2014) von Jaime Rosales ist der diesjährige Beitrag des Spanischen Filmfest Berlin.

Das erste Weihnachtsfilmfestival Deutschlands nimmt sich dem Thema ‚Weihnacht‘ in all seinen wunder- und sonderbaren Facetten gänzlich an und wirft mit unkonventionellen Filmen einen frischen Blick auf die sonst eher traditionellen Feiertage. Als Sneak Peek zeigt das Festival die schwarze Komödie ALL MY DEAD (Lettland 2014) von Astra Zoldnere: Zwei Fremde begegnen sich an Heiligabend in einer ganz besonderen Umgebung, in einem Leichenschauhaus. Mit Leidenschaft versuchen sie sich gegenseitig zu manipulieren, um zu bekommen, was sie wollen: Sie will ihn, aber er will verschwinden.

Mit Spreepoesie aus der Hauptstadt erinnert das ZEBRA Poetry Film Festival Münster|Berlin an den Abriss des Palastes der Republik, lässt einen profanen Umzug zu einer Offenbarung werden und belegt, dass man morgens unmöglich Drogen nehmen kann.

Das Musikprogramm:

Dieses Jahr gehen berühmte Stimmen der Berliner Musikszene an den Start. Simon Fagan, der irische Singer-Songwriter wird uns im Waldgarten mit seinem Sound aus Folk, Gospel und Akustik-Rock verzaubern. Ein weiterer Act im Waldgarten wird die ganz wunderbare Rock Band Cadmium Scarlet sein. Inspiriert wird ihr Sound von Künstlern wie David Lynch, Cocteau Twins, The Jesus And Mary Chain. Die Musik des aus Spanien und Argentinien stammenden Duos Utopyk & El Fulminador reicht von Slow Techno bis zu Experimental Electronica mit Texten in Spanisch, Deutsch und Englisch. DJ Walter Crasshole und DJane Anat rocken die Dancefloors.

Auch fürs Kulinarische ist gesorgt. Tak Tak polish deli, Coffee Bike Berlin, Bao Bao Burger, Goura Pakora und Raclette Leopold bieten für jeden etwas.

Die Location:

Das jüngste Programmkino Berlins mit dem wegweisenden Namen „Zukunft“ eröffnete Anfang 2012 im ZUKUNFT am Ostkreuz und gehört zur Kino-Troika Friedrichshain: Tilsiter Lichtspiele, Freiluftkino Pompeji, Kino Zukunft. Fünf Fußminuten vom Ostkreuz entfernt befindet sich die Kulturlocation ZUKUNFT am Ostkreuz, wo drei Kinos, ein Open Air, ein Musikclub, eine Kneipe, eine Galerie und zwei Biergärten Platz haben.

www.festiwelt-berlin.de

www.zukunft-ostkreuz.de

Die LANGE NACHT DER FILMFESTIVALS ist ein Projekt von Festiwelt e.V. in Kooperation mit ZUKUNFT am Ostkreuz. Mit freundlicher Unterstützung von ASK HELMUT GmbH, Berliner Fenster, Berliner Filmfestivals, Dinamix Media GmbH, EXBERLINER Magazine, HUTHevents Veranstaltungstechnik und –produktion.

Festiwelt e.V. ist ein gemeinnütziger Verein. Er vertritt die Interessen von Berliner Filmfestivals. Er ist ein weltweit einzigartiger Festivalverbund, der organisatorische und inhaltliche Synergien zwischen den teilnehmenden Festivals bündelt und Projekte zur Förderung der nationalen und internationalen Film- und Kinokultur in Berlin und Deutschland entwickelt.

Lange Nacht der Filmfestivals

Samstag, 20. August 2016
ZUKUNFT am Ostkreuz

Laskerstraße 5
10245 Berlin-Friedrichshain

http://zukunft-ostkreuz.de/

 

Für Rückfragen und Informationen:

Thomas Zandegiacomo Del Bel

Presse/ÖA

Festiwelt e.V.

presse@festiwelt-berlin.de

www.festiwelt-berlin.de

1. Oktober 2016   Kommentare deaktiviert für 4. Lange Nacht der Filmfestivals

Lyrik im Kino: Das Berliner „Zebra Poetry Film Festival“ stellt sich in Weiterstadt vor

WEITERSTADT/BERLIN – Löwen verspeisen ja gerne mal ein Zebra. Das Bild hatte Thomas Wohlfahrt, der Leiter der Literaturwerkstatt Berlin, im Kopf, als er 2002 eine Filmreihe zur Poesie begründete: In einer Filmwelt, wo der Hollywood-Löwe von Metro Goldwyn Mayer regiert, sollte es ein Kulturschutzgebiet fürs „Zebra“ geben, dessen Streifen für das Nebeneinander von Dichtung und Filmkunst stehen. Schon 2006 war dieses „Zebra“ so groß, dass es zum eigenen internationalen Festival wurde – alle zwei Jahre mit 200 Beiträgen für vier Tage im Berliner Babylon-Kino ausgerichtet. Im Oktober 2016 ist es wieder soweit.

Am Samstag (15.) stellt nun der künstlerische Leiter Thomas Zandegiacomo mit einem einstündigen Programm aus 14 Beiträgen sein Filmfest bei den Kollegen vom Weiterstädter Festival vor. Zwar gebe es auch erzählerische Balladen und einige Filme, die Poesie in einen weiteren Handlungsrahmen betten, doch die meisten „Zebra“-Beiträge seien sehr kurz und nicht selten sehr abstrakt, erklärt Zandegiacomo im ECHO-Gespräch: „Es gibt ja auch Laut-, Zahlen- und Nonsensgedichte. Die Filmemacher versuchen, auf die Struktur der Texte zu antworten.“ Manche Filmemacher suchen sich immer neue Vorlagen, manche arbeiten regelmäßig mit einem Dichter zusammen. So wie Hubert Sielecki, der Werke des Wieners Gerhard Rühm bebildert. Von diesem Gespann stammt „Der längste Kuss“, der am Anfang der Weiterstädter Präsentation steht: Die Mitteilung eines Apothekerverbandes zur Verbesserung der Mundhygiene wird hier von zwei Sprechern, die bis zu acht Ärzte gleichzeitig verkörpern, derart rhythmisiert rezitiert, dass es wie eine Automatenansage klingt.

Mit solch heiteren, formal wie inhaltlich griffigen Kurzfilmen geht es bei der „Zebra“-Schau los und wird immer experimenteller und abstrakter. Am Ende stehen dann Werke wie „Pipeline“ des Norwegers Kristian Pedersen, der ein Gedicht von Öyvind Rimbereid in farbige Grafik übersetzt, die synästhetisch auf Sprache reagiert: Klang wird Form und Bewegung.

Im deutschen Beitrag „Das Fremde“ blicken wir in ein Uhrwerk, in dem ein Gedicht von Paul Celan akustisch zerlegt wird. Francois Vogel hat in „Marchant Grenu“ einen Spaziergang am Montmartre in einem Strudel aus extremen Weitwinkelbildern aufgelöst. „The Thing With Feathers“ wiederum überträgt Lyrik von Jinn Pogy nicht nur auf Film, sondern übersetzt sie als leidenschaftliches Pas de deux auch in Tanz.

Bisweilen ist der Zuschauer fast überfordert, wenn er etwa den atmosphärisch düsteren Trickfilm „The Black Man“ von Alexander Fedorov sieht, die russische Lyrik von Sergei Yeserin hört und dazu englische Untertitel lesen muss. „Die meisten unserer Filme sind auf Deutsch, aber wir sind ein internationales Festival. Da ist es wichtig, die Originalsprache zu hören, weil sie die Melodie ausmacht“, sagt Thomas Zandegiacomo.

Zum Einstieg in diese bisweilen etwas verwinkelte Welt der Zebrafilme ist ein amerikanischer Giraffenfilm ideal: Über animierten Collagen liegt in „Giraffe“ die Stimme des lyrischen Ichs, das sich über die kuriose Welt der turmhohen Tiere wundert, denen schon bei der Geburt eine Gehirnerschütterung droht, weil sie unsanft ins Leben plumpsen. Auch das ein schönes Bild für die wundersamen Kopfgeburten des Kinos, die im Zeichen des Zebras zu bestaunen sind.

aus Darmstädter Echo von Stefan Benz

17. August 2015   Kommentare deaktiviert für Lyrik im Kino: Das Berliner „Zebra Poetry Film Festival“ stellt sich in Weiterstadt vor

Best of the ZEBRA Poetry Film Festival

11217979_856175004468718_9002019446857146190_n ZEBRA beim Festival dotdotdot in Wien

Krisen, Sehnsüchte, Angst, Lust und Liebe. Nichts weniger als die ganz großen Gefühle – und ein Kriminalfall nach Ernst Jandl – stehen auf dem Programm, wenn das Berliner ZEBRA zum ersten Mal in Wien zu Gast ist. International gilt das seit 2002 umtriebige Festival als das größte Forum für Poesiefilm. Allein für die jüngste Ausgabe wurden 770 Kurzfilme aus 70 Ländern eingereicht. Daraus destilliert sich ein Spektrum seltsamer Erzählungen von Giraffen und Bakterien, deren Merkwürdigkeit nur noch vom Homo sapiens übertroffen wird. Kritische Kommentare zum „merkwürdigen“ politischen Tagesgeschehen liefern Eleni Gioti in THE AEGEAN OR THE ANUS OF DEATH über die Flüchtlingspolitik in Griechenland und Ghayath Almadhoun und Marie Silkeberg, die in YOUR MEMORY IS MY FREEDOM den ungehörten Stimmen des Bürgerkriegs in Syrien Gehör verleihen.

Foto: Karl Valent • dotdotdot

9. August 2015   Kommentare deaktiviert für Best of the ZEBRA Poetry Film Festival

Das Wohnzimmer der Filmemacher feiert sein erstes Jubiläum

Zum anstehenden ersten Jubiläum tritt das FLIMMERZIMMER aus dem heimischen Wohnzimmer-Café heraus und präsentiert sechs außergewöhnliche Kurzfilm-Highlights und ihre Regisseure im FLIMMERZIMMER “365” Event. Am Donnerstag dem 30. Juli 2015 ab 20 Uhr wird in der “Volksbar” Berlin-Mitte am Rosa Luxemburg Platz mit Filmemachern, Fachleuten und Filminteressierten gefeiert.
Sechs herausragende Filmemacher präsentieren je einen Kurzfilm. Jedem dieser Filmemacher wird ein prominenter Filmpate aus der Medienbranche zur Seite gestellt. Dieser wird eine Laudatio halten und vor dem Publikum ein kurzes Gespräch mit dem Regisseur führen. Moderiert wird das Event wie im FLIMMERZIMMER gewohnt von den beiden Initiatoren und Filmemachern André Herrmann und André Kirchner.
Filmpate für den Film QUÄLEN von Rebecca Blöcher ist Thomas Zandegiacomo Del Bel

30. Juli 2015   Kommentare deaktiviert für Das Wohnzimmer der Filmemacher feiert sein erstes Jubiläum

Jurymitglied beim 12. Indisches Filmfestival Stuttgart

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Das Indische Filmfestival Stuttgart ist Europas größtes indisches Filmfestival. Seit 2004 wird es jährlich fünf Tage lang im Juli vom Filmbüro Baden-Württemberg veranstaltet. Seit 2011 heißt das Festival nicht mehr ‚Bollywood and Beyond‘, sondern Indisches Filmfestival Stuttgart. Die Namensänderung soll verdeutlichen, dass im Festivalprogramm nicht primär die als ‚Bollywood‘ bezeichneten Mainstream-Hindi-Filmproduktionen, sondern aktuelle Filmproduktionen aus allen Regionen des Subkontinents gezeigt werden. Das Indische Filmfestival Stuttgart spiegelt die wachsende Internationalisierung indischer Filme ebenso wie das Interesse für die indische Kultur in Deutschland wider.
Dr. Mohan Agashe, Prof.-Dr. Nadja-Christina Schneider, Thomas Zandegiacomo Del Bel

17. Juli 2015   Kommentare deaktiviert für Jurymitglied beim 12. Indisches Filmfestival Stuttgart

Spielarten der Lyrik – Tage der Poesie in Sachsen vom 25.-27. Juni 2015

Zum dritten Mal lud die Gesellschaft für zeitgenössische Lyrik zu den Tagen der Poesie, dieses Mal nach Zwickau. Zum Thema „Spiel-Arten der Lyrik“ trafen sich Lyriker, Gedichtfilmer, Musiker und bildende Künstler, die den thematischen Säulen Lyrik und bildende Kunst, Lyrik und Musik sowie Lyrik und ihre darstellerische Umsetzung auf individuelle Weise Leben verliehen.

10987317_1011680948871552_470564727564430934_nDoch vor Beginn der etwa zwanzig Kurzvorträge umfassenden Tagung bildeten zwei Lesungen am Donnerstag den Auftakt. In der Hochschulbibliothek Zwickau lasen der Vorsitzende der Lyrikgesellschaft und Initiator sowie Projektleiter der „Tage der Poesie in Sachsen“ seit 2009, Ralph Grüneberger, gemeinsam mit Siegmar Faust, Gabriele Frings und Maria Schüritz. Matthias Biskupek moderierte die Lesung.

Am Abend war einer der Gründerväter der konkreten Poesie, Eugen Gomringer, mit seinen Texten vertreten, die in ihrer vermeintlichen Schlichtheit Lyrik auf die konzentrierteste Essenz reduzieren und für viele zeitgenössische Lyriker wegweisend waren und sind. Der Neunzigjährige kokettierte ein wenig mit seinem Alter – immerhin sei er ein Jahr älter als die Queen, die gerade Deutschland besuche, und so winken wie sie könne er ebenfalls. Mit ihm lasen Monika Littau, Frank Norten, Franziska Röchter und die Verfasserin dieses Artikels aus ihren Gedichten, während das Vorstandsmitglied der Lyrikgesellschaft Stefan Kabisch durch den Abend führte. Monika Littau schlug mit ihren zu Kunstwerken entstandenen Texten bereits den Bogen zur thematischen Säule Lyrik und bildende Kunst. Franziska Röchter kommt aus der Poetry Slam-Szene und legt großen Wert auf Rhythmus, Frank Norten dagegen ist ein Grenzgänger zwischen Innen und Außen mit seinen nicht gereimten Texten. Herausragend waren die von Helen Ispirian gesungenen Gedichte Ralph Grünebergers, begleitet vom Komponisten Walter Thomas Heyn an der Gitarre. Lyrik – das Wort leitet sich von Lyra her, also gesungener Text – in ihrer ursprünglichen Form von Liedhaftigkeit zu erleben, ist deshalb so besonders, weil sich hier noch einmal die Metrik und Lautmalerei des Textes in viel deutlicherer Weise als beim Vorlesen oder gar stillen Lesen offenbaren. Lyrik grundsätzlich laut zu lesen ist zu empfehlen, um dem Zusammenspiel aus inhaltlichen und sprachlichen Figuren auf die Spur zu kommen. Eine weitere neue Ebene entsteht dadurch, dass nicht der Autor selbst, sondern in diesem Fall eine Sängerin den Text interpretierte. Ralph Grüneberger und Thomas Heyn sind überdies dabei, das Leipziger Liederbuch, seinerzeit von ihnen geschrieben, wieder an den Markt zu bringen.

Die Herausforderung, am Samstag mit etwa 20 Kurzvorträgen im Zeitplan zu bleiben, hat die Moderatorin Monika Hähnel scheinbar spielend bewältigt, indem sie freundlich aber bestimmt den Ablauf und zügigen Wechsel der Vortragenden dirigierte. Dank der vorhandenen Technik konnten die Wortbeiträge durch eingeblendete Bilder oder eingespielte Musiksequenzen ergänzt werden. Die Vorträge reichten vom Poetry Slam mit seiner Bedeutung und seinen Elementen über Schaffensfreundschaften zwischen Schreibenden und Malenden, gemeinsam Schaffenden über die Sparten Dichtung, Musik und Malerei hinweg bis zu der Vorführung von Gedichtfilmen in mehreren Sprachen. Die Publikation aller Beiträge wird ebenso wie eine Querschnitt-DVD der Poesietage in Kürze bei der Lyrikgesellschaft zu bestellen sein, was sowohl Teilnehmern der Tagung als Auffrischung des Gehörten und Gesehenen als auch allen Lyrikschaffenden, die nicht an den Tagen der Poesie in Sachsen teilnehmen konnten, sehr ans Herz zu legen ist. So eine Zusammenstellung in dieser Bandbreite und Thementiefe habe ich noch nicht erlebt und die Publikation nebst DVD – allein der Gedichtfilme wegen – gehört in jede fundiert aufgestellte Bibliothek.

In der historischen Ratsschulbibliothek führte der Herausgeber im quartus-Verlag, Jens-Fietje Dwars, durch einen besonderen Leseabend im Ambiente alten Holzmobiliars und Bücherschränken mit uralten Schätzen. Safiye Can, Peter Gosse, Manfred Jendryschik und André Schinkel spannten den Bogen von der slamgeprägten Dichtung Safiye Cans – sie zeigte auch Beispiele für ihre visuelle und konkrete Poesie – über die oft als barock bezeichnete, bis ins Kleinste durchkomponierte Schreibart Peter Gosses, der leisen, eindringlichen Texte Manfred Jendryschiks bis zu André Schinkels unverstellter, in berührender Weise ironisch-tragischer Poesie über Halle und die Liebe. Schinkels Vortrag hat mir einen neuen Zugang zu seinem Buch „Parlando“ ermöglicht. Zwischen dem Publikum und den Lesenden gab es, da alle an einem Tisch saßen, keine Distanz, auch nicht im übertragenen Sinne. Diese Lesung, bei der Manfred Jendryschik für mich, die ihn noch nicht kannte, eine große Entdeckung war, wirkt noch nach und einzelne Verse sind mir auch von den anderen Vortragenden in Erinnerung geblieben. Von Peter Gosse und André Schinkel, der auch in der Redaktion der Literaturzeitschrift Ort der Augen tätig ist, gibt es nicht nur inhaltlich, sondern auch gestalterisch wunderbare Bücher, angereichert mit Grafiken renommierter Zeichner, in der Edition Ornament des quartus-Verlags. In diesem Verlag hat auch Ralph Grüneberger seine Künstlergeschichten publiziert; dessen Neuerscheinung „Mick Jagger in Plagwitz“ mit Zeichnungen von Heinz Müller zwar nicht dort erschien, aber von mir begeistert zur Kenntnis genommen wurde. Eine besser lesbare und berührendere Art, die Chronik eines Ortes darzustellen, kann ich mir kaum ausmalen. Des „Erzpoeten“, wie Gosse ihn nennt, Lyrik ist mir in ihrer Sprachstruktur und Enjambementkomposition fast ebenso nah wie die Gosseschen gedrechselten Verse, die mich in meiner Arbeit sehr geprägt haben. Aus einer anderen Richtung prägte mich Eugen Gomringer mit „schweigen“ und „fehler im system“. Dass ich nun drei Poeten, die mir Inspiration, Wegweisung sind und lyrische Freude bereiten, auf einmal bei dieser Tagung treffen durfte, ist für mich ein großes Geschenk. Wir haben es hier mit sehr renommierten, mehrfach mit Preisen ausgezeichneten Lyrikerin zu tun, die – für mich unbegreiflich – zumindest in Hamburg wenig oder gar nicht bekannt sind. Die hiesige „Szene“ täte gut daran, hier einmal über den Tellerrand zu blicken.

Doch zurück zu den restlichen Veranstaltungen der poetischen Tage, namentlich einem Poesie-Slam mit Franziska Holzheimer und Roman Israel und einem Song-Slam mit Rainer „Reno“ Rebscher, Nadine Maria Schmidt und Olaf Stelmecke, moderiert von Nils Matzka, sowie vier Liedermachern, die gegeneinander antraten. Diese beiden Events gab es im Alten Gasometer, dessen Ambiente mit Bühne und Beleuchtung perfekt dazu passte. Als Sieger des Song Slams freute sich der herausragende, Text und Harmonie beherrschende Daniel Seidel über eine vom Publikum gefüllte Tüte, die neben Geld auch Hustenbonbons, einen Gedichtband und ein Bier sowie allerlei Kleinkram enthielt.

Letztlich hat die Kaffeehauslesung von Kriszti Kiss und Dieter Treeck mich sehr beeindruckt, denn sie entführte bei Kaffee und Kuchen in die Atmosphäre der Zwanzigerjahre. Die Theaterfrau und der Dichter übersetzen ungarische Texte, Kristzi Kiss singt einige davon und beide tragen die Verse in so kurzweiliger und gelungener Weise vor, dass ich noch stundenlang hätte zuhören können. Auch das Förderstudio Literatur Zwickau war mit vier Autorinnen bei dieser Lesung vertreten und ich freute mich darüber, nun Monika Hähnel auch als Autorin kennengelernt zu haben.

Eine Tagung im Zeichen der Poesie ist für Lyrikschaffende etwas sehr kostbares, gilt Lyrik doch allzu häufig als Randerscheinung des Literaturbetriebs. Der gut gefüllte Saal des Robert Schumann-Hauses, in dem die Tagung stattfand, spricht für sich. Umso betrüblicher ist, dass die Kulturstiftung des Freistaates Sachsen Förderung versagt hat. Es steht zu befürchten, dass es keine weiteren Tage der Poesie in Sachsen mehr geben kann, weil die Finanzierung ohne Förderung nicht auf die Beine zu stellen ist. Den Spendern, die das diesjährige Treffen ermöglicht haben und deren Namen hier nachzulesen sind, haben wir Lyriker viel zu verdanken: Dank an alle Spender/innen. Mindestens genauso großen Dank haben Ralph Grüneberger und sein Team der Lyrikgesellschaft verdient, die mit unendlichem Einsatz für diese Tagung gekämpft und organisiert haben.

„Das Gedicht hört seinem Leser zu“, sagte Hilde Domin – und wie wichtig ist es, dem Leser zuzuhören, der seine Phantasie entwickelt und das Gedicht durch seine Interpretation zu ganz individuellem (Er-)Leben erweckt! Doch wo Gedichte nicht mehr zum Vortrag kommen, wo die Entwicklung der Lyrik und nicht zuletzt lyrischen Verständigung der Poeten aus ganz verschiedenen Gegenden der Republik nicht mehr gefördert wird, kann diese wichtige Interaktion nicht mehr stattfinden. In einer Zeit des Bildungsverfalls, in der doch der Sprachförderung eine besondere Wertschätzung und Priorität zuteil werden sollte, verwundert eine solche Entscheidung der öffentlichen Hand doch ziemlich. Und so gern auch wir Dichter neben Tinte und Papier die neuen Medien zum Gestalten und Verständigen benutzen: Den Austausch von Angesicht zu Angesicht, in komprimierter Weise im Rahmen einer solch gelungenen und einmaligen Zusammenkunft wie den Tagen der Poesie in Sachsen, werden sie nie ersetzen.

Maren Schönfeld

Quelle: Die Auswärtige Presse vom 1.7.2015
Foto Gaby Waldek

25. Juni 2015   Kommentare deaktiviert für Spielarten der Lyrik – Tage der Poesie in Sachsen vom 25.-27. Juni 2015

Poesiefilme, Festivals und soziale Netzwerke

von Thomas Zandegiacomo Del Bel

Poetische Filme verbinden auf lyrische Weise eindrucksvolle Bilder und erzielen ihre Wirkung durch die Kameraarbeit. Doch mit Gedichten haben diese Filme oft wenig zu tun. Die Begriffe wie ›lyrisch‹ oder ›poetisch‹ werden im Medium Film gerne nur auf das Visuelle reduziert – nicht so bei den Poesiefilmen. Für die Rezeption und Verbreitung von Poesiefilmen sind sowohl Festivals als auch das Internet immens wichtig.

Poesiefilme sind fast so alt wie das Filmemachen selbst. Die erste bekannte Gedichtadaption entstand 1905 in den Studios von Thomas Alva Edison in New York. Damals verfilmte Edwin Stanton Porter das bekannte Gedicht Twas the night before Christmas (1822) von Clement Clark Moore. Diesem frühen Beispiel folgten viele weitere FilmemacherInnen. [1] Ganz allgemein kann man Poesiefilme als Kurzfilme definieren, die auf Gedichten basieren und sich inhaltlich, ästhetisch oder formal mit ihnen auseinandersetzen. Dies ist auch eines der Aufnahmekriterien des ZEBRA Poetry Film Festival [2], das seit 2002 alle zwei Jahre in Berlin stattfindet. Weltweit gab und gibt es einige Filmfestivals, die ausschließlich Poesiefilme präsentieren und prämieren. Die verschiedenen Kriterien und Begriffe, wie z. B. Videopoem, Cinepoem, Filmpoem, Poetry Clip etc., wurden von Festival- und FilmemacherInnen sowie WissenschaftlerInnen festgelegt. [3]

Der Poesiefilm bedient sich – durch seine meist nicht narrativen Vorlagen – verschiedener Genres, wie der Animation, dem Spiel- oder dem Experimentalfilm, und vermischt sie oft miteinander. Durch diesen freien Genrewechsel kann er mannigfaltig und individuell den lyrischen Vorlagen antworten. Dabei sollte das Verhältnis zwischen Film und Gedicht ausgeglichen bleiben. Der Film kann zum Beispiel durch seine Schnitt- und Perspektivfolge, seinen Szenen- und Genrewechsel sehr präzise auf das Gedicht antworten oder ihm auch entgegenarbeiten. Eine reine Illustration des Gedichts ist hingegen eine Doppelung seines Inhaltes, bei der die filmischen Möglichkeiten nicht ausgeschöpft werden. FilmemacherInnen sollten durchaus die Gedichte interpretieren oder die Gefühle und Eindrücke, die sie in Ihnen hervorrufen, in eigene Bilder übersetzen. Emotionen, wie Trauer, Ärger, Angst, Freude oder Liebe, geben oft den Anlass bzw. den Antrieb für das Schreiben. Genau diese Gefühle sollten in der filmischen Adaption zu spüren sein. Entscheiden sich die FilmemacherInnen für eine musikalische Begleitung oder für das Einsprechen des Gedichtes, sollten sie auf die Qualität achten. Einfache musikalische Untermalung oder ein mäßig gesprochenes Gedicht können sich nachteilig auf den filmischen Gesamteindruck auswirken.

Oftmals entstehen aus diesen starken Emotionen eindrucksvolle Bilder und damit auch hervorragende Poesiefilme, die, bedingt durch ihren freien Genrewechsel, auf verschiedenen Filmfestivals präsentiert werden. Leider fehlt in den meisten Beschreibungen der Hinweis, dass diese Filme auf Gedichten basieren, was KuratorInnen die Suche nach Poesiefilmen erschwert. Allein beim ZEBRA werden zweijährlich bis zu 1.000 Poesiefilme eingereicht. Dies lässt vermuten, dass die Zahl der neuen Gedichtverfilmungen in die Tausende geht und viele unentdeckt bleiben.

Eine Annahme, die auch von den sozialen Netzwerken gestützt wird. Die große Popularität von audiovisuellen Gedichtadaptionen spiegelt sich in der rasant wachsenden Zahl sowohl der Uploads als auch der Klicks wider. [4] So verwundert es nicht, dass in den letzten Jahren immer mehr Film- und Literaturfestivals dem Genre eigene Programme gewidmet haben. [5] Durch seine mediale Form und seine Kürze eignet es sich sehr, Lyrik einem breiten Publikum näher zu bringen, wie z. B. SchülerInnen und Jugendlichen, Filmliebhabern etc. Kurze Clips werden gerne zwischendurch angeschaut und mit Freunden oder der Öffentlichkeit geteilt, weshalb sich in den letzten Jahren die sozialen Netzwerke zu neuen Distributionskanälen für Lyrik entwickelt haben, die auch von WissenschaftlerInnen und KuratorInnen für die Recherche genutzt werden. Man kann also sagen, dass sowohl Filmfestivals als auch das Internet die wichtigsten Plattformen und Distributionskanäle für Poesiefilme sind.


[1] THE UNCHANGING SEA (USA 1910) von D. W. Griffith nach dem gleichnamigen Gedicht von Charles Kingsley, MANHATTA (USA 1921) von Charles Sheeler und Paul Strand nach Walt Whitmans gleichnamigen Gedicht, L’INVITATION AU VOYAGE (F 1927) von Germaine Dulac nach Charles Baudelaires Les Fleurs du Mal, COMBAT DE BOXE (B 1927) von Charles Dekeukeleire nach dem gleichnamigen Gedicht von Paul Werrie, L’ETOILE DE MER (F 1928) von Man Ray und Robert Desnos nach seinem Gedicht La place de l’etoile (1928). Diesen Filmmachern und Künstlern folgten noch viele, wie z. B. Maya Deren, Gerhard Rühm, Valie Export, Peter Weibel, Tim Burton oder Walt Disney.

[2] Es können Filme mit einer Länge bis zu 15 Minuten eingereicht werden, die nicht älter als drei Jahre sind. Dem Festival ist es vorbehalten, auch Filme länger als 15 Minuten zu zeigen. Alle eingereichten Filme müssen audiovisuelle Umsetzungen eines oder mehrerer Gedichte sein.

[3] Orphal, Stefanie: Poesiefilm. Lyrik im audiovisuellen Medium. Berlin, Boston: De Gruyter 2014.

[4] Es gibt tausende Poesiefilme, die von sehr vielen Besuchern angeschaut werden, wie z. B. Andrea Dorfman/Tanya Davis: How To Be Alone. Kanada 2009, 4:34 Min. (7,3 Mio. Klicks bei Youtube).

[5] Lyrikertreffen Münster, International Poetry Festival Rotterdam, Festival Internacional de Poesía de Medellín, LOOP Barcelona, Oslo Poesifestival etc.

Veröffentlicht auf Poetryfilmkanal

22. Juni 2015   Kommentare deaktiviert für Poesiefilme, Festivals und soziale Netzwerke

Best of ZEBRA Poetry Film Festival 2014

Filmwerkstatt Münster präsentiert die besten Clips im Schlosstheater

Als eines der größten Foren für den internationalen Poesiefilm gilt das ZEBRA Poetry Film Festival in Berlin, das ein Projekt der Literaturwerkstatt Berlin ist und im Rahmen des poesiefestivals berlin stattfindet. Für das 7. ZEBRA Poetry Film Festival 2014 wurden über 770 Kurzfilme aus 70 Ländern eingesandt, aus denen das Wettbewerbsprogramm ausgesucht wurde. Die Filmwerkstatt Münster präsentiert an drei Abenden die besten Clips im Kino Schlosstheater. Die Zusammenstellung und Moderation übernimmt der ZEBRA-Programmdirektor Thomas Zandegiacomo Del Bel höchstselbst.

HEIMATKLÄNGE
2 x 45 Min.
Der deutschsprachige Raum ist bekannt für seine mannigfaltige Dichtkunst. Konkrete, Digitale und Lautpoesie, Naturlyrik oder Lieder beweisen: Die Varianten sind schier unbegrenzt.
Mittwoch, 22. April 2015, 19 Uhr

TANZREIME
2 x 45 Min.
Tanz und Musik schwingen im Dreiklang mit der Lyrik. Moderne Rhythmen interpretieren bekannte Gedichte, ausdrucksstarke Tänze und Performances vermitteln uns die geballte Kraft der Sprache.
Mittwoch, 29. April 2015, 19 Uhr

AUSLESE
2 X 45 Min.
Aus den Einsendungen des ZEBRA 2014 präsentieren wir das breite Spektrum des deutschen und internationalen Poesiefilms. Krisen, Sehnsüchte, Angst, Lust und Liebe bilden eine gelungene Mischung.
Mittwoch, 6. Mai 2015, 19 Uhr

Schlosstheater
Eintritt: 7 Euro / 5 Euro (erm.)

29. April 2015   Kommentare deaktiviert für Best of ZEBRA Poetry Film Festival 2014

6. ZEBRA Poetry Film Festival and poetry films

Interview mit Dave Bonta (Moving Poems)

17. Oktober 2014   Kommentare deaktiviert für 6. ZEBRA Poetry Film Festival and poetry films